Weihe

Priesterweihe

Sie ist das Sakrament, das die Vollmacht verleiht, die heiligen Handlungen des Altarsakramentes und die für das Heil der Seelen (Lossprechung) vorzunehmen. Die Priesterweihe prägt das unauslösliche Merkmal eines Diener Gottes ein. Priesterweihe hat auch den Namen Ordo: weil es verschiedene Grade des Dienern umfasst, von denen der eine dem andern unterstellt ist (Hierarchie). Die Stufen in der röm.- kath. Kirche ist die dreigliedrige Priesterweihe: Diakon-Priester-Bischof. Priesterweihe ersetzt nicht das wichtigste Sakrament: die Taufe, sondern baut darauf auf. Sie kann Grunddimensionen des Christseins nicht ersetzten, sondern steht in deren Dienst. Priester ohne Gemeinde ist sinnlos.

 

Eine Hauptdimension des kirchlichen Amtes ist die Repräsentation Christi. Das meint nicht das Vertreten eines Abwesenden, sondern das durch das eigene Leben und Wirken deutlich machen, dass er da ist. Eine schöne Beschreibung dessen ist, dass der Priester die Gegenwart Christi in dieser Welt markiert, allerdings in der Linie Jesu, der selbst ein Mensch geworden ist. Der amtlich handelnde Priester zeigt verbindlich an, dass Jesus da, dass Er am Werk ist. Nicht, weil der konkrete Priester so toll ist, so gut predigen oder feiern kann, sondern weil er diesen bestimmten Dienst in Sendung und Auftrag Jesu ausführt. Alles andere wäre masslose Überforderung. Gott handelt an der Kirche, indem er sich besonders gesendeter Menschen bedient.
Dies liegt in der Linie des alten, christlichen Prinzips, dass wir mehr sind, als wir selbst tun und leisten können. Erlöst sind wir nicht aus uns selbst heraus, sondern von Gott geschenkt (allerdings nicht an uns vorbei). Auch als Gemeinde sind wir nicht nur auf das in uns selbst Wachsende angewiesen, sondern auch von aussen beschenkt. Der priesterliche Dienst verkörpert auch, dass wir uns aus uns selbst heraus nicht genügen, dass Gottes Heil nicht selbst gemacht werden kann, sondern von aussen kommt, geschenkt wird. Die seit urkirchlichen Zeiten unaufhörlich durch Handauflegung und Gebet von Person zu Person weitergegebene Priesterweihe stellt in einer ganz bestimmten Weise die Verbindung über Zeiten und Orte hinweg mit dem her, „der ist und der war und der kommen wird" Off 1,8.


Selbstverständlich hat zu allen Zeiten zur Priesterweihe die Zustimmung des Volkes gehört, manchmal auch die Auswahl durch ebendieses. Beispiele dazu gibt es schon in der Bibel, z. B. in Apg 6,3: „Wählt aus eurer Mitte Männer ... Wir werden ihnen diese Aufgabe übertragen". Die Zustimmung des Volkes (Stellvertreter vom Volk ist der Regens im Priesterseminar) macht den Weihekandidaten dazu geeignet, im Namen kirchlicher Gemeinschaft handeln zu können, Handauflegung und Gebet stellen ihn in den Auftrag Jesu hinein. Ein Sakrament kann in seiner Tiefe wohl nie ganz ausgeleuchtet werden, unterliegt jeweils aktuellen Einflüssen und muss in konkreten Situationen durch konkrete, individuelle Menschen gelebt werden. Das Priesteramt ist eine Berufung. Priester sein ist in der heutigen Zeit nicht einfach, denn viele verstehen nicht, dass ein zölibatäres Leben Sinnvoll ist. Darum heisst es bei Mt 19,12: „Wer es erfassen kann, der erfasse es“. Priester brauchen unser Gebet und Unterstützung, damit das Ganze lebt, weil christliche Gemeinde und ihre Amtsträger dem verpflichtet und für ihn Zeugen sind, der „gekommen ist, dass ihr das Leben habt und es in Fülle habt" Joh 10, 10.

 

Gott hat der Zeit befohlen, die Unglücklichen zu trösten.

Joseph Joubert